Drei Wochen Brasilien…pura beleza

Lencois Maranhenses

Wenn man drei Wochen in Brasilien mit dem Rucksack unterwegs ist, erlebt man so einiges. Und man will so viel wie möglich sehen und erleben, denn was sind schon drei Wochen Reisezeit in einem 8,5 Mio km2 großen Land, dem flächenmäßig fünftgrößten der Erde? Reflexionen über eine Reise, die uns durch acht Bundesstaaten von Manaus bis nach Salvador da Bahia führte und auch das Archipel Fernando de Noronha mit einschloss.

Eine Anreise über Lissabon nach Salvador nach Brasilia nach Manaus dauert nun mal ihre 30 Stunden am Stück. (Wenn man beschlossen hat, sich mit Reisepartnern aus Wien genau dort zu treffen, sollte man eventuell das nächste Mal einen zentraleren Ort auswählen, um sich nach längerer Zeit wieder mal zu sehen und zu tratschen. Das Café Alt Wien würde sich da beispielsweise anbieten…)

Die Landeswährung Real ist im Moment sehr stark. Essen und Unterkunft ist für Rucksacktouristen teuer. Nicht nur für sie, sondern auch für Einheimische. Wie sie sich teure Lebensmittel aus dem Supermarkt leisten können und wie somit das ganze Wirtschaftssystem funktioniert, haben wir in den drei Wochen nicht herausgefunden.

Das Teatro da Amazônia, das Opernhaus von Manaus, 1896 aus den Einnahmen des Kautschukbooms erbaut, strahlt in zartem Rosa wie zu seinen besten Zeiten und ist noch schöner als erwartet. Man sitzt in Erwartung auf den Beginn der Vorstellung, schaut sich im Saal um. An der Wand hängende Masken von Mozart, Rossini, Beethoven blicken stumm auf das Publikum herab und man wähnt sich die ganze Zeit irgendwo in Europa. Bei der Musik und den Tänzen aus Amazonien, die auf der Bühne dargeboten werden, wird aber schnell klar, dass das Gefühl nicht stimmen sein kann. Don’t miss it!

Schönheitsideale sind überall anders und in Brasilien sind üppigere Schönheiten gefragt, aber halt!– sehr viele von den Menschen, die uns über den Weg gelaufen sind haben ein zum Teil massives Problem mit Übergewicht. Von gesundheitsbewusstem Lebensstil und wohlgeformten Körpern keine Spur: brasilianisches Fast-Food regiert und das ist nicht zu übersehen.

Lange, leuchtend weiße Sandstrände und Sandbänke. Delfine im Sonnenuntergang. Restaurants und Bars am Ufer. Passagierschiffe, die darauf warten, am nächsten Morgen wieder Fahrt aufzunehmen. Damit würde man spontan eine Szene am Meer assoziieren. Weit gefehlt. Das alles hat Alter do Chão bei Santarém, mitten im Amazonasgebiet zu bieten. Der Atlantik ist mehr als 1000 km Luftlinie entfernt, in etwa vier Tagesreisen mit dem öffentlichen Schiff.

Die angesprochene Schiffsreise auf dem Amazonas darf man keineswegs versäumen. Achtung, wir reden hier nicht von den großen Kreuzfahrtschiffen mit Ballsaal, Abendunterhaltung und abwechslungsreicher Speisekarte, die die reichen Gäste aus aller Welt ankarren. Nein, ein öffentliches, auf allen Decks offenes Schiff muss es sein, das am Amazonas wie ein Bus fungiert. An der Bar am obersten Deck wird auch ohne Ballsaal und Ballkleidung getanzt, Domino- und Kartenspielen, mit den Leuten Plaudern sowie die Landschaft von der Hängematte aus zu betrachten vertreibt die Zeit. Die Leistungen der Schiffskombüse klammern wir hier mal aus, aber wir werden das trockene Brot, die täglichen Bohnen mit Huhn und Reis und das frittierte Ei zum Frühstück nicht vergessen.

Jericoacoara, kurz Jeri, an der Nordküste ist das Kite- und Windsurferparadies schlechthin. Der touristischste Ort auf der ganzen Reise. Der Mythos um Jeri entstand wohl dadurch, dass es sehr schwierig zu erreichen ist. Geschäftslokale mit Sandboden, allabendliche Massenpilgerungen zu Fuß oder zu Pferd auf die große Wanderdüne, um den Sonnenuntergang zu beobachten (der gleich war, wie sonstwo), unzählige Unterkünfte und Lokale. Klingt nicht unbedingt positiv, aber Jeri hatte Flair. Übrigens, unbedingt eine Dose Bier zum Sonnenuntergang schauen mitbringen. Gehört sich so, wurde uns gesagt…

Fernando de Noronha: Mit „Bemvindo ao paraiso“ wurden wir am Flughafen von einem brasilianischen Touristen begrüßt. Die weißen Sandstrände mit den schwarzen Vulkansteinen sind wunderschön und naturbelassen. Schnorcheln dort ist ein Genuss, aber auf der anderen Seite ist die buschartige Vegetation sehr unspektakulär, geradezu langweilig. Essen und Unterkünfte sind stark überteuert. Leider wird dort, wie in vielen anderen Teilen des Landes, auch viel Müll wild deponiert, obwohl die Insel ein Naturschutzgebiet ist und jeder Tourist, der einreist, eine Naturschutzabgabe leisten muss (wohin geht bloss das ganze Geld?). Unbedingt beachten: Nur keinen Unfall auf Noronha haben! Ein brasilianischer Tourist kam neben uns mit dem Motorrad zu Sturz und brach sich das Schienbein. Der Rettungswagen benötigte auf der kleinen Insel erstmal eineinhalb Stunden, um zum Unfallort zu kommen. Mit einem Beinbruch konnten die „Sanitäter“ auf die Schnelle nicht so recht umgehen und das Bein wurde mit einem dünnen Pappkarton (!) „geschient“, der erst zurecht gebogen werden musste.

Salvador da Bahia war die schönste Stadt auf der Reise. Dazu haben sicher auch die Anstrengungen der UNESCO beigetragen, die die Bausubstanz im Pelourinho (Stadtzentrum) renovieren ließ. Die einstige Hauptstadt Brasiliens ist die afrikanischste Stadt des Landes, kam hier doch der Großteil der 5 Mio Sklaven an, die die Portugiesen aus Westafrika verschleppt hatten. Deren Traditionen ist sowohl in der Musik, in Gerichten, in religiösen Riten wie Candomblé als auch im Kampfsport Capoeira allgegenwärtig. Die schwarzen Frauen in den weißen Rauschröcken und dem weißen Kopftuch („Baianas“) sind ebenfalls typisch für die Stadt.

Kaum ist die Reise vorbei muss ich schon Überlegungen anstellen, welche Ziele es denn bei der nächsten Brasilienreise sein müssen. Zweimal dort gewesen zu sein, reicht immer noch nicht aus, um einen kleinen Teil des Landes gesehen zu haben. Até breve, Brasil!

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